„Wenn die Regierung das Geld verschlechtert, um alle Gläubiger zu betrügen,
so gibt man diesem Verfahren den höflichen Namen Inflation.“ G. B. Shaw (1856 - 1950)

„Geld gleicht dem Dünger, der fast wertlos ist, 
wenn man ihn nicht ausbreitet.“ Sir Francis Bacon (1561-1626)

„Zunächst ein laues Bad, dann wird das Wasser immer heißer,
und am Schluss explodiert die Wanne.“ André Kostolany (1906-99)

„Wer sein Vermögen schützen will, glaubt gar nichts, sondern rechnet mit allem.“
Mayer Amschel Rothschild (1744-1812)

Wie wir denken - was wir tun: ein Rückblick auf den Monat August 2018

Wie wir denken - was wir tun: ein Rückblick auf den Monat August 2018

Verehrte Investoren,

Wir wissen erst, was auf dem Spiel steht, wenn wir wissen, dass es auf dem Spiel steht.“1
Hans Jonas

Heute vor sieben (!) Jahren, am 6. September 2011 stieg der Goldpreis in New York auf ein Allzeithoch von 1920,65 US-Dollar pro Feinunze. Viele Investoren kauften seinerzeit Gold und vertrauten auf Prognosen, die gar „in den nächsten Jahren Goldpreise von 5.000 – 7.000 US-Dollar“ vorherzusagen vermochten. Das war seinerzeit keine (!) Exotenmeinung: von 133 Analysten, die im Schnitt einen Goldpreis bei 2.500 USD in den kommenden Jahren prophezeiten, sahen 90 (!) ein Erreichen von mindestens 5.000 USD. Prognosen von Analysten waren, sind und bleiben – bei allem gebotenen Respekt – ein sehr prozyklisches Unterfangen. Wir indessen veroptionierten unseren Gold-Bestand im Portfolio im Berichtsmonat ein weiteres Mal und generieren damit eine Rendite von 2,2% in knapp zwei Monaten.

Seit dem 9. März 2009, also seit fast zehn (!) Jahren, verlor der US-Aktienindex in keiner einzigen Periode mehr als 20% (im Oktober 2011 waren es immerhin 19,4%). Dass US-Aktien nach fast allen Maßstäben (sehr) teuer sind, ist an dieser Stelle des Öfteren ausführlich dargelegt worden. Gleichwohl sind die Analysten bei den Erwartungen für künftige [sic!] Unternehmensgewinne so optimistisch wie zuletzt in der Technologie-Blase zur Jahrtausendwende: für die nächsten fünf (!) Jahre sollen die Gewinne pro Jahr (!) um 16% zulegen. Indessen: Snapchat, Facebook, Twitter und Netflix enttäuschten zuletzt erheblich. Die drei letztgenannten sind durchaus von nicht nur symbolischer, sondern auch ökonomischer Relevanz. Ein Aspekt,der sich auch in ihren gigantischen Marktkapitalisierungen widerspiegelt. Diese reduzierten sich indes in den zwei Tagen nach der Quartalsberichterstattung um jeweils deutlich über 20%. Vielleicht kein Regime-Wechsel, aber doch ein Hinweis: nicht nur wir halten einige Bewertungen speziell im US-Tech-Sektor für unangemessen hoch.

Hierzulande lieferten in der nun beendeten Berichterstattung des 2. Quartals von den über 150 in der erweiterten DAX-Familie gelisteten Unternehmen 76% bessere Quartalsergebnisse, als von den – ohnehin schon optimistischen – Analysten erwartet. Erfüllten Unternehmen die Erwartungen hingegen nicht oder hatten mit „Sondermeldungen“ zu kämpfen, wurden sie – auch Schwergewichte wie Bayer oder Continental – signifikant abverkauft.

Korrekturen wie diese nutzen wir – im NORD/LB Horizont Fonds qua seines sehr defensiven Charakters - allerdings nicht in Einzelwerten. Dennoch ergab sich im August immerhin einmal die Möglichkeit, die Unsicherheit im Markt zu nutzen. Wir implementierten eine attraktive Seitwärtsstrategie via einer „Discount-Strategie“(d.h. konkret einem sog. Short Put auf den EuroStoxx), während unser Aktiensicherheitsnetz uns vor Verlusten im Segment Aktien weiterhin schützt. Während der DAX im Berichtsmonat moderate 2,93%verlor, mussten wir kaum abgeben (-0,15%).

Die Zinsdifferenz zwischen US-amerikanischen und deutschen zehnjährigen Staatsanleihen erreichte mit 2,8604 Prozentpunkten ein fast schon historisch zu bezeichnendes Ausmaß:

Daher lösten wir unsere – ansonsten strategische – US-Dollar-Absicherung vorübergehend auf.  Natürlich ist die US-Zinsentwicklung auch ein Gradmesser für die relative Attraktivität von US-Aktien, die damit nachlässt. Gleichwohl:

„Der S&P 500 steigt noch um 35%“, war eine Meldung, mit der Ken Fisher unlängst aufhorchen ließ. Eine solche Überschrift ist eine dramatische Verkürzung der Gedanken dieses guten Kapitalmarktstrategen. Doch er tätigte diese Aussage andererseits in vollem Bewusstsein um ihre mediale Wirksamkeit.

Wie die Medienlandschaft funktioniert, in immer schnelleren Abständen, ist kein neuer Trend. Trotz unseres Gefühls, dass es so ist. Schon vor einigen Jahren sprach Peter Sloterdijk davon, dass die täglichen (wohlgemerkt: nicht wie heute minütlichen oder sekündlichen – „was heute wichtig ist“) Nachrichten nicht mehr und nicht weniger sind, als „Aufregungsvorschläge“ (hier ein schönes aktuelles Beispiel). Unlängst verschärfte er seine Aussage: „Ich bin sicher nicht der Einzige, der den Eindruck hat, wir hätten seit einigen Jahren einen veränderten Aggregatzustand der medieninduzierten Aufgeregtheit erreicht. Die Heftigkeit und Giftigkeit der Invektiven … hat zugenommen.“

Arnold Gehlen konstatierte bereits vor über sechzig Jahren (in einer, was Medien angeht, für uns unvorstellbar „ruhigen“ Zeit): „Denn die Medien…die auf uns einwirken, müssen sich angesichts der Übermüdung der Gehirne und der Abstumpfung der Sensorien, durch die sie hindurchstoßen müssen, auf besondere taktische Mittel einstellen. Wenn [die Nachricht] noch einwirken will, muss sie einen pistolenschussartigen Stil entwickeln: kurz und dramatisch. Die Nachricht muss gepfeffert sein, die Schlagzeile erregend, das Bild sensationell, um gegen die Apathie der Überfütterten oder gegen ihr vorsätzliches Vergessenwollen anzukommen...es muss dramatisiert werden, es muss eine Garnierung mit…Superlativen…Bedrohungen oder Gefahrenlagen erfolgen“2

Was bleibt uns also mit Blick auf die Medien, die Finanzmärkte, unsere Portfolien? Ruhe walten zu lassen, mit einer gehörigen Portion Vorsicht, oder vielleicht besser: Umsicht und Hinterfragen. Oder mit Hans Jonas: „Ferne sollte es von uns sein, von der Höhe unseres aufgeklärten Wissens das Große am Grunde dieses Schrecklichen zu verkennen.“3

Luxemburg, den 06.09.2018

Michael Feiten, Florian Konz & Ludwig Schnieders

Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung: Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation, Frankfurt, 1979, S. 8 und 63.
2 Arnold Gehlen, Die Seele im technischen Zeitalter. Sozialpsychologische Probleme in der industriellen Gesellschaft, Hamburg 1957, S. 61.
Hans Jonas, Technik, Medizin und Ethik. Praxis des Prinzips Verantwortung, Frankfurt, 1987, S. 116.
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