„Wenn die Regierung das Geld verschlechtert, um alle Gläubiger zu betrügen,
so gibt man diesem Verfahren den höflichen Namen Inflation.“ G. B. Shaw (1856 - 1950)

„Geld gleicht dem Dünger, der fast wertlos ist, 
wenn man ihn nicht ausbreitet.“ Sir Francis Bacon (1561-1626)

„Zunächst ein laues Bad, dann wird das Wasser immer heißer,
und am Schluss explodiert die Wanne.“ André Kostolany (1906-99)

„Wer sein Vermögen schützen will, glaubt gar nichts, sondern rechnet mit allem.“
Mayer Amschel Rothschild (1744-1812)

Wie wir denken - was wir tun: ein Rückblick auf den Monat Februar 2018

Wie wir denken - was wir tun: ein Rückblick auf den Monat Februar 2018

Verehrte Investoren,

 „Vielheit sollte niemals ohne Notwendigkeit gesetzt werden.“
William von Ockham

„Ockhams Rasiermesser“, nachdem - wie das Zitat andeutet - bei der Entwicklung von Theorien und Erklärungen allerhöchste Sparsamkeit walten gelassen werden sollte, ist prinzipiell ein anstrebbares Ideal – warum Dinge komplexer machen, als sie sind?

Ein Beispiel: die „Moderne“ (1952) Portfolio Theorie nach Markowitz lässt sich recht einfach zusammenfassen. Da man nicht weiß, was die Zukunft bringen wird, ist es unter Anlageaspekten am klügsten, sich auf mehrere Schultern zu stellen. Insbesondere, weil ein mathematisch greifbarer Diversifikationsnutzen wirkt. Dadurch, dass die gewählten Anlagen nicht 1 zu 1 korreliert sind, ist das Risiko-Ertrags-Profil einer breit gestreuten Investmentstrategie gegenüber einer einzelnen Anlage immer überlegen. Eine einfache Erklärung, die indes für „Vielheit“ (des Investmentuniversums) plädiert.

Trotz des turbulenten Jahresstartes an den Aktien – und (!) Zinsmärkten, konnte der NORD/LB Horizont Fonds seit Jahresanfang moderat zulegen (+0,58%). Im Vergleich zu den bekannten Mischfonds der Branche, die alle über 1% im Minus notieren, realisierte unser genuiner Multi-Asset-Fonds ein sehr gutes Ergebnis. Die Korrektur haben wir entsprechend gut pariert.

Die Verunsicherung an den Finanzmärkten resultierte primär aus der von Jerome Powell zu erwartenden Geldpolitik. Der Fed-Chairman ließ die Märkte aufgrund eines, für die bisherige Zentralbank-Politik, relativ klar formulierten Satzes aufhorchen: „Wir managen nicht den Aktienmarkt, wir sorgen für stabile Preise und maximale Beschäftigung.“  Dies weckte Zweifel am sogenannten „Greenspan-Put“: besagter „Put“ umschreibt seit Alan Greenspan eine US-Notenbankpolitik, die über mehr Liquiditätsbereitstellung an den Märkten, einen Anreiz für risikoreichere Anlagen kreiert. Entsprechend wurde schon das mögliche Ende dieses „Fed-Put“ diskutiert – und die Märkte preis(t)en bis zu vier Zinserhöhungen für dieses Jahr ein.

Wie Sie wissen, sind die Zinsentwicklungen überdies für uns nur von nachgelagerter Bedeutung. Das gilt auch für Aktienschwankungen. Zwar hatten wir – vor der Korrektur von in der Spitze minus 12,14% im DAX – unsere ohnehin nur moderate taktische Aktienquote halbiert. Dennoch wurde im Februar mehrfach unser Aktiensicherheitsnetz aktiviert, sodass wir temporär bis zu drei Viertel der noch verbliebenen Aktienbestände absicherten. Die erhöhte Volatilität nutzten wir indes zum Sichern sehr attraktiver Optionsprämien.

Wir sind für die Aktien ohnehin nicht so optimistisch wie die großen Banken. Das Börsenjahr ist wahrlich noch jung – dennoch sei daran erinnert, dass die 32 vom Handelsblatt befragten Banken für dieses Jahr einen DAX-Stand von im Schnitt 14.009 Punkten (höchster erwarteter Stand: 15.000 Punkte) „prognostizierten“. Gleichzeitig sind die Renditen der 10-jährigen US-Anleihen im Februar erneut gestiegen, auf fast 3%. Mit anderen Worten: die viel gerühmte relative Attraktivität von Aktien gegenüber Rentenpapieren hat abgenommen.

Es ist durchaus vorstellbar, dass dieses Jahr sowohl für Aktien als auch für Renten eine negative Performance bereithält. Wir wissen es nicht – und brauchen es auch nicht zu wissen. Denn nicht aus taktischen, sondern aus strukturellen Gründen warnen wir seit langem vor Duo-Asset-Fonds, die nur in Aktien und Renten investieren. „Vielheit“, so ist man versucht zu sagen, ist unser Credo. Jedoch, um es mit William von Ockham zu sagen: „…niemals ohne Notwendigkeit…“ Obwohl wir breit über viele Anlageklassen streuen, lehnten wir seit Auflage des NORD/LB Horizont Fonds viel, viel mehr Anlageklassen ab, ließen sie durch unser Raster fallen lassen, als wir aufnahmen.

Die „Vielheit“ hat ohnehin zuweilen ihre Grenzen. „Der Name der Rose“ ist sicher eines der bekanntesten Bücher der Welt (es wurde ca. 50 Millionen mal verkauft). Die zentrale Figur, die mehrere Morde im mittelalterlichen Kloster des Jahres 1327 aufklären soll, ist William von Baskerville. Seine erkenntniskritische Haltung bzw. sein Name spielen bewusst auf den eingangs zitierten mittelalterlichen Scholastiker William von Ockham an. Zum Ende des Buches konstatiert der Franziskanermönch ernüchtert: „Ich bin wie ein Besessener hinter einem Anschein von Ordnung hergelaufen, während ich doch hätte wissen müssen, dass es in der Welt keine Ordnung gibt.“

Ockhams Rasiermesser wird manchmal so ausgelegt, dass etwas richtig ist, weil es einfacher ist. Allerdings gibt eine einfache Erklärung keinen Aufschluss darüber, ob sie auch richtig ist. Das mag zwar im Alltag als Anhaltspunkt dienen und Ordnung sowie Orientierung verschaffen. Es ist allerdings eher so gedacht, dass von mehreren Erklärungshypothesen die simplere gewählt werden sollte, insbesondere da sie leichter überprüfbar ist. Nur sind eben viele Fragestellungen komplexer, als wir es uns wünschen würden. Und es gilt, immer möglichst viele und genaue Fakten heranzuziehen.

Das gilt im Grunde auch für Literaten. So war in der originalen Ausgabe von „der Name der Rose“ noch die Rede von Kürbissen, Paprika und auch Violinen – die es seinerzeit noch gar nicht gab. So, wie es nach jüngeren wissenschaftlichen Arbeiten vielleicht sogar die berühmte Tulpen-Blase nicht gab, zumindest nicht in der legendären Form.

Zum Glück geht es in der Belletristik in der Regel nicht um solche Fragen, sondern um Galaxien, die sich für die Leser öffnen. Oder wie es Umberto Eco sagte: „Wer nicht liest, wird mit 70 Jahren nur ein einziges Leben gelebt haben: Sein eigenes. Wer liest, wird 5000 Jahre gelebt haben: Er war dabei, als Kain Abel tötete, als Renzo Lucia heiratete, als Leopardi die Unendlichkeit bewunderte. Denn Lesen ist eine Unsterblichkeit nach hinten.“ In wenigen Tagen beginnt die Leipziger Buchmesse. 

Luxemburg, den 01.03.2018

Michael Feiten, Florian Konz & Ludwig Schnieders

Keine Kommentare






* - Pflichtfeld

 

Hinweis in eigener Sache:

Willkommen bei Nordlux Vermögensmanagement. Unsere Kundenberater arbeiten derzeit im Home Office, doch bleiben wir voll einsatzfähig und erreichbar. Ihr Anruf wird automatisch an Ihren Berater weitergeleitet. Wir bitten Sie, eventuelle Verzögerungen auf Grund der derzeit starken Beanspruchung der Telefonleitungen zwischen Deutschland und Luxemburg, zu entschuldigen.