„Wer sein Vermögen schützen will, glaubt gar nichts, sondern rechnet mit allem.“
Mayer Amschel Rothschild (1744-1812)

„Zunächst ein laues Bad, dann wird das Wasser immer heißer,
und am Schluss explodiert die Wanne.“ André Kostolany (1906-99)

„Wenn die Regierung das Geld verschlechtert, um alle Gläubiger zu betrügen,
so gibt man diesem Verfahren den höflichen Namen Inflation.“ G. B. Shaw (1856 - 1950)

„Geld gleicht dem Dünger, der fast wertlos ist, 
wenn man ihn nicht ausbreitet.“ Sir Francis Bacon (1561-1626)

Wie wir denken - was wir tun: ein Rückblick auf den Monat Januar 2018

Wie wir denken - was wir tun: ein Rückblick auf den Monat Januar 2018

Verehrte Investoren,

 „Denn es ist nicht genug, einen guten Kopf zu haben; die Hauptsache ist, ihn richtig anzuwenden.“
René Descartes

erinnern Sie sich, als „Paul aus Oberhausen“ im Jahr 2010 bei der Weltmeisterschaft alle sieben Spiele der deutschen Nationalmannschaft korrekt „voraussagte“? Paul war ein Krake (ja, es heißt tatsächlich der Krake). Die Achtarmer besitzen weder Innen- noch Außenskelett und keine Wirbelsäule, dafür aber drei Herzen – genau genommen ein Haupt- und zwei Nebenherzen. Nach – in diesem Fall eigentlich unangemessenen - menschlichen Maßstäben sind sie als sehr intelligent zu bezeichnen. Das liegt z.B. an ihrer Haut, mit der sie auch „sehen“, also präzise Helligkeitsgrade unterscheiden (sowie sich grandios tarnen) können und daran, dass sie (nach menschlicher Lesart) neun Gehirne haben.

Also hatte Paul ja beste Voraussetzungen, entgegen aller (sog. bedingten) Wahrscheinlichkeiten von nur 0,8% (! –Annahme zwei mögliche Ereignisse, Sieg und Niederlage, gleichverteilt und stochastisch unabhängig) so gut zu tippen? Das mediale Interesse an Paul wurde von Partie zu Partie größer: die FIFA, die Washington Post, Le Monde und andere griffen das „Okrakel“ auf. Aufmerksamkeit nährt Aufmerksamkeit. An der Börse würde man vielleicht sagen: der Trend nährt den Trend – aktuell: die Hausse nährt die Hausse.

Nährt die Hausse die Hausse? Signifikante Veränderung unserer Aktienquote

Nach einem Jahrzehnt des unterdurchschnittlichen Wirtschafts- und des überdurchschnittlichen Aktienkurswachstums deuten die meisten Daten inzwischen auf eine Beschleunigung hin – in beiden genannten Bereichen, wohlgemerkt. Der weltweite Wirtschaftsaufschwung fußt sogar auf angeschlagenen Volkswirtschaften wie Russland, Brasilien oder Griechenland. Gleichzeitig erlebt der S&P500 die zweitlängste Hausse und die längste Periode ohne deutlichere (5%-)Tageskorrektur seit 1929. Natürlich gibt es auch gewichtige Gründe, warum der aktuelle Zyklus zum längsten überhaupt werden könnte.

Dennoch – und auch trotz unseres sehr bewährten Aktiensicherheitsnetzes - haben wir im Januar unsere Aktienquote signifikant reduziert. In den letzten Monaten beleuchteten wir dazu immer wieder einige Aspekte. Ein gewichtiges Argument ist, dass mit dem deutlichen Zinsanstieg – in den USA sind die 10-jährigen Renditen im letzten halben Jahr von knapp 2% auf aktuell 2,68% gestiegen, in Deutschland von 0,3% auf 0,68% - die relative Attraktivität von Aktien (Dividenden) abnimmt. Wo liegt die „Schmerzgrenze“, ab der das Pendel in größerem Maße von Aktien zu Renten umschwingen könnte? Selbstverständlich wissen (im eigentlichen Wortsinne) wir es nicht.  Obwohl der Trend zu steigenden Renditen intakt ist und dieses Jahr, durch damit fallende Rentenkurse, bereits viele Portfolien negativ tendieren, konnte der NORD/LB Horizont Fonds - qua seiner breiten Streuung – im Januar deutlich hinzugewinnen (+0,87%)

Goldene Zeiten für Aktien, Renten und Gold ante portas?

Indes: im Sommer 2013 sahen wir schon einmal einen exorbitanten Anstieg der Renditen (in den USA) von 1,61% auf knapp über 3%, während der S&P500 trotzdem knapp 10% zulegte. Doch erstens befanden wir uns seinerzeit noch mitten im (speziell die Aktienmärkte stark stimulierenden) QE III, zweitens legte der S&P500 seitdem um über 80% zu (deutlich weniger jedoch die Unternehmensgewinne) und drittens: die Hausse nährt zwar die Hausse – bis jetzt jedoch noch nie ad infinitum, oder anders: es gibt durchaus Korrekturbedarf an den Aktienmärkten, die auch in dieses Jahr schon wieder sehr positiv gestartet sind, zwischen 2% (DAX und Nikkei) bzw. bis über 6% in den USA.

Währenddessen legt auch der Goldpreis weiter zu, um über 3% im Januar und seit seinem Tief im Dezember um knapp 30%. Tatsächlich gibt es einige Argumente, die untermauern, weshalb dem Goldpreis dieses Mal – anders als z.B. im Juli 2016 – der charttechnische Ausbruch gelingen könnte. Der Gold-Chart liegt praktisch über allen Trendlinien (80, 100 oder 200-Tage-Linie), die Gold-Volatilität ist mit nur noch knapp über 9 so niedrig wie seit einer Dekade nicht mehr und auf der fundamentalen Seite steigt die Goldnachfrage seit längerem deutlich.

Wie Sie wissen, halten wir seit Auflage des NORD/LB Horizont (mit kleinen Unterbrechungen) Gold (via ETF). Dennoch haben wir mit dieser Position stetig Erträge erwirtschaftet, so auch im Januar. Sollte der Ausbruch des Goldes tatsächlich gelingen, würden wir unsere Erträge durch Kursgewinne des zugrundeliegenden ETFs anstatt durch Optionsprämien verdienen.

„Die“ Inflation und warum sie anziehen könnte

Sehr essenziell für die Goldpreis-Entwicklung war in der Vergangenheit regelmäßig die Entwicklung „der“ Inflation. Tatsächlich ist festzustellen, dass die von den Finanzmärkten erwarteten künftigen Inflationsraten seit Sommer deutlich angezogen sind: z.B. die in den USA für die nächsten zwei Jahre (pro Jahr) von 1,6% auf 2,2%, aber eben auch die für die nächsten zehn Jahre (pro Jahr) von unter 2 auf 2,3%, analog in Europa (wenn auch auf niedrigerem Niveau).

Kommt es also nun zu größeren inflationären Entwicklungen? Zunächst ist festzustellen, dass viele Ökonomen der sog. Phillips-Kurve (also kurz gesprochen der Aussage, ein Rückgang der Arbeitslosenquote ginge mit höherer Inflation einher) die Gültigkeit aberkennen. Hierfür werden keine schlechten Argumente genannt. Man könnte jedoch auch gut argumentieren, dass der Zusammenhang in den letzten Jahren nicht funktioniert hat, weil bis dato eher der Abbau an Überkapazitäten und zu vielen Arbeitskräften im Vordergrund stand. Ein Prozess, der zumindest schon weit fortgeschritten ist, sodass nun auch ein höherer Inflationsdruck denkbar ist. Aus diesen Überlegungen, und weil wir uns etwas defensiver positionieren sowie noch breiter über verschiedene Anlageklassen aufstellen, werden wir in den kommenden Wochen einen Teil unserer Liquidität erstmals seit langem wieder in (US-)Inflationsanleihen investieren.

Unser Gehirn (im Tank) und „Fake-News“

Für uns Portfoliomanager ist es eine unserer Kernaufgaben, unser Gehirn mit solchen Fragestellungen zu strapazieren und – bei Bedarf – Handlungen abzuleiten. Das ist durchaus anspruchsvoll, zumal im Zeitalter von „Fake-News“ noch mehr Sorgfalt und Hinterfragen angebracht erscheint, als ohnehin notwendig ist. Allerdings sind „Fake-Aussagen“ kein neues Phänomen: Oft werden alte, falsche Zukunftsprognosen zitiert. Vom damaligen Telekom-Chef Ron Sommer gibt es das Zitat: „Das Internet ist eine Spielerei für Computerfreaks, wir sehen darin keine Zukunft.“ Oder das berühmte Zitat des ehemaligen IBM-Chefs Watson: „Ich glaube, es gibt einen Weltmarkt für vielleicht fünf Computer.“ Es scheint jedoch für viele der Aussagen keine glaubhaften Belege zu geben – was für uns ein weiteres Indiz ist, nicht die (pointierten) Prognosen zu beachten, sondern die genannten oder implizit angenommen Argumente zu betrachten. Darauf wies immer wieder der großartige Hilary Putnam hin: Argumente herausfiltern und auf Stichhaltigkeit prüfen. Vielleicht kennen Sie Putnam nicht – jedoch vielleicht eines seiner brillantesten Gedankenexperimente:

Die Vorstellung, dass Sie ein „Gehirn im Tank“ seien, das z.B. denkt, ein Mensch zu sein, der gerade ein Eis isst. In Wirklichkeit aber eben ein Gehirn ist, das in einer Nährstofflösung schwimmt und zu diesem Gedanken mit Hilfe eines gigantischen Computers (die potenziell disruptiven Quantencomputer lassen grüßen), der über Elektroden an das Gehirn angeschlossen wird, stimuliert wird.

Eine schauerliche Vorstellung? Seit René Descartes (der wohlgemerkt im 17. Jahrhundert lebte) ist es zumindest eine der kontroversesten Diskussionen der Geistesgeschichte, wie Körper und Geist wohl zusammenhängen könnten – und ob sie es tun. Wogegen z.B. Descartes plädierte. Angesichts dessen, dass es ernsthaft Menschen gibt, die von Menschen Köpfe transplantieren wollen, ist der Schauder zumindest noch ausbaufähig – und all das, ohne ein Wort über die umfassenden ethischen Implikationen eines solchen Aktes (der an Affen bereits vollzogen wurde!) zu verlieren.

Nicht nur in diesem Fall, sondern auch im Portfoliomanagement, reicht es vielleicht nicht aus, seinen „Kopf anzuwenden“, wie Descartes sagte, sondern auch seine Intuition und Erfahrung etc. als (mindestens) gleichgewichtigen Sparringspartner zurate zu ziehen. 

Luxemburg, den 01.02.2018
Michael Feiten, Florian Konz & Ludwig Schnieders

P.S.: Zu Ihrer Beruhigung: Der aktuelle Stand der Debatte ist, dass Sie kein Gehirn im Tank sind. Wir würden jedoch nicht darauf wetten.

 

 

Börsianer , 07.02.2018 um 20:02
Ob die Vorstellung gruseliger ist, ich hätte neun Gehirne oder sei nur eines im Tank, weiß ich nicht so recht. Meines überfordert mich jedenfalls zu oft an der Börse! (da fühle ich mich wie der Homer Simpson, der in irgendeiner Folge glaub ich auch mal ein Gehirn im Tank war.)

Ihre Inflationssicht ist ok. Sehen Sie den Lohndruck nur in den USA? Sind europäische Linker nicht auch interessant auf mittlere Sicht? So ganz erfolglos wird Draghi ja mit seinem Ziel nicht sein, oder?

Grüße, Gehirn in der Börse :-o

P.S.; Kopftransplationen also. Herje, was macht der Mensch als nächstes? Mit Tieren kreuzen?

Börsianer , 07.02.2018 um 20:02
Noch was: Gibt es auch kaufbare asiatische Linker? Da sind doch ganz andere Inflationsdaten.







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