„Zunächst ein laues Bad, dann wird das Wasser immer heißer,
und am Schluss explodiert die Wanne.“ André Kostolany (1906-99)

„Wer sein Vermögen schützen will, glaubt gar nichts, sondern rechnet mit allem.“
Mayer Amschel Rothschild (1744-1812)

„Geld gleicht dem Dünger, der fast wertlos ist, 
wenn man ihn nicht ausbreitet.“ Sir Francis Bacon (1561-1626)

„Wenn die Regierung das Geld verschlechtert, um alle Gläubiger zu betrügen,
so gibt man diesem Verfahren den höflichen Namen Inflation.“ G. B. Shaw (1856 - 1950)

Wie wir denken - was wir tun: ein Rückblick auf den Monat Juli 2018

Wie wir denken - was wir tun: ein Rückblick auf den Monat Juli 2018

Verehrte Investoren,

„Meine Mutter brachte Zwillinge zur Welt: mich und die Angst.“1
Thomas Hobbes

Als Thomas Hobbes im Jahr 1588 geboren wurde, kämpfte die legendäre spanische Armada gerade vor England, um die Insel zu erobern. 130 Schiffe, mehrere Kilometer breit nebeneinander, 7000 Seeleute. Deutlich weniger als die vom spanischen König erhofften 510 Schiffe, doch trotzdem die größte Flotte aus Segelschiffen, die Europa bis dahin gesehen hatte. England unter Königin Elisabeth war nicht ansatzweise in der Lage, ein vergleichbares Rüstungsprogramm aufzulegen. Die ökonomische Macht Spaniens war um ein Vielfaches größer als die von England. Als die Armada in besagtem Juli vor 430 Jahren vor der Küste Südenglands auftauchte, hatte sie das Überraschungsmoment inne: die Armada hatte die Engländer überrascht. Ihr Anführer, der Marqués de Santa Cruz, hatte keinerlei Erfahrung in der Führung einer Flotte, sondern war ein ausgezeichneter Verwalter an Land gewesen. Er nutzte seine Chance nicht, sondern hielt sich an den ursprünglichen Plan. Die Armada fuhr – zur riesigen Freude und Überraschung der Engländer - nach Osten weiter, wo sie sich mit einer anderen Truppe vereinen sollte. Nicht nur, dass diese Einheit nicht vor Ort war. Nein, die eigentlich deutlich unterlegenen Engländer nutzten nun ihrerseits die Chance, die Armada unter Druck zu setzen, die letztlich daraufhin sogar zurücksegeln musste. Kairos hatte einmal mehr der Geschichte seinen Stempel aufgedrückt.

Nicht immer ist das Zeitfenster so kurz, wie in dieser „Weltminute von Plymouth“ (die nicht mehr und nicht weniger den Anfang vom Ende der spanischen Vorherrschaft in Europa bedeutete oder diesen zumindest mit einleitete). Manchmal baut sich eine gravierende Veränderung auch über einen langen Zeitraum auf. So hat sich vordergründig die Lage bei den US-Zinsen beruhigt. Die zehnjährigen US-Staatsanleihen rentieren seit einigen Wochen relativ konstant unter der psychologisch wichtigen Marke von 3% (was sich in Schlagzeilen wie „es ist vollbracht!“ widerspiegelt). Zudem würden steigende Zinsen ja noch nicht per se fallende Aktiennotierungen bedeuten. Beispielsweise von Anfang bis Mitte der 1960er Jahre stiegen sowohl die US-Renditen als auch die US-Aktien signifikant (beide verdoppelten sich fast).

Allerdings: die zweijährigen Renditen sind weiter gestiegen. Entsprechend ist die Renditedifferenz der beiden Zeiträume (zehn und zwei Jahre) weiter zusammengeschmolzen und liegt nun bei nur noch 24 Basispunkten. Vor einem Jahr lag sie noch bei 89. Ein Unterschreiten der Null-Linie scheint fast zum Greifen nah. Wie schon öfter von uns diskutiert, deutet eine allzu flache Zinsstrukturkurve Ungemach an, sodass seit 1955 vor jeder der neun US-Rezessionen die Zinskurve kurz vorher kippte.

Insbesondere die beiden schweren Aktienkorrekturen um das Jahr 2000 und um die Lehman-Phase haben noch viele Investoren vor Augen – und auch sie gingen mit einem vorherigen Durchbrechen besagter Nulllinie einher. Es ist allerdings nicht zweckführend, Timing-Versuche zu wagen. Die US-Konjunktur wächst immerhin bereits das neunte Jahr in Folge und wird – für den Moment – durchaus von der Steuerreform angefeuert, die den Konsum und Unternehmensinvestitionen stützt. Die US-Unternehmen hatten in den letzten Jahren massiv (zu stark) eigene Aktien zurückgekauft, anstatt das freie Cash zu investieren. Die neuen Abschreibungsregeln incentivieren sie nun besonders zu mehr Investitionen, sodass – wenn auch die Aktien- und Immobilienmärkte als Fundament des privaten Konsums in den USA weiterhin unterstützen – das BIP-Wachstum sogar die 3%-Marke erreichen könnte.

Auf der anderen Seite sind insbesondere die Schwellenländer derzeit stark unter Druck – wohlgemerkt, nicht nur solche mit hohen Leistungsbilanzdefiziten wie die Türkei oder Argentinien, sondern auch solche, die man nicht als unsichere Kantonisten bezeichnen würde, z.B. Südkorea oder Thailand, die mit hohen Leistungsbilanzüberschüssen aufwarten. In einigen aufstrebenden Ländern wie der Türkei, Russland oder auch Brasilien, die unter der schrittweisen Reduzierung der US-Dollar-Liquidität im Zuge der Zinserhöhungen leiden – sind die durchaus vielbeachteten Einkaufsmanger-Indizes bereits wieder unter die wichtige Marke von 50 gefallen. In Summe bleibt es also bei der „nicht überwundenen Prozyklizität der Emerging Markets“. Die sich allerdings aktuell eint mit absolut (im historischen Vergleich) wie relativ betrachtet (im Vergleich z.B. mit Shiller-KGVs weit unter anstatt über dem Durchschnitt in den USA) günstigen Bewertungen im Aktien- und auch im Rentensegment. Wir gehen daher ein erstes Investment in eine Ihnen bereits wohlvertraute Währung ein: in den Brasilianischen Real. Dabei tätigen wir unser Investment – wie Sie es gewohnt sind – in eine AAA-geratete Anleihe eines supranationalen Emittenten mit kurzer Laufzeit (2021), obwohl dort ein Wahlkampf „jeder gegen jeden“ herrscht.

Es entwickelt sich fast so, wie Thomas Hobbes im 13. Kapitel des „Leviathan“ schreibt: „Sooft daher zwei ein und dasselbe wünschen [das Amt des Präsidenten], dessen sie aber beide nicht teilhaftig werden können, so wird einer des anderen Feind…“ Es deutet auf die wohl berühmteste Aussage von Hobbes hin (auch wenn sie ursprünglich nicht von ihm stammt): „homo homini lupus“ – „Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf [-kein Mensch].“ Mindestens genau so kann sich der Mensch aber auch durch Ignoranz oder Böswilligkeit auszeichnen: Als die erfolgreichen Seeleute vor England hungerten und massenweise starben und der erfolgreiche Admiral Howard die Königin um Hilfe bat, bekam er zur Antwort, dass tote und als krank entlassene Seeleute immerhin die Kasse schonen.

Tatsächlich wandeln und wandelten die „Staaten“ – damals wie heute – immer am Rande des Ruins. Kein Zufall, dass nach diesen teuren Schlachten und Kriegen (mit ihren exorbitanten Rüstungsausgaben), insbesondere im Dreißigjährigen Krieg, die sogenannte Kipper- und Wipperzeit ihren Höhepunkt erreichte. Gemeint ist damit eine dramatische Verschlechterung der Münz-Qualität: War z.B. der Silber-Gehalt ursprünglich festgelegt, wurden diese Münzen nach und nach von Spezialisten im ganzen Land gesucht, auf einer Waage („Wippe“) gewogen und die guten Münzen aussortiert („Kippen“ der Waage). Entscheidend: diese wurden dann, unter Zugabe von mehr und mehr Kupfer (anstatt Silber) von immer schlechterer Qualität (bis nur noch reines Kupfer verwendet wurde). Gleichzeitig wurden umso mehr Münzen auf den Markt geworfen und – Trommelwirbel –die erste Inflation des Römischen Reiches war geboren. Beispielsweise in Dresden verfünffachte sich der Preis für Roggen innerhalb von zwei Jahren.  Alle Menschen mit festem Nominal-Einkommen konnten ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten.

Manche Münzpräger legten gar die Herkunft ihrer Münzen nicht offen, um ihre mangelnde Solvenz zu verschleiern. So ließ der finanziell knappe Friedrich Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel eine Münze prägen, die auf der Rückseite die Grafschaft Hohenstein im Harz zierte, um seine Bonität zu untermauern. Was damals kaum jemand wusste: diese Grafschaft gab es schon fast dreißig Jahre nicht mehr.

In den letzten Jahren verbannten einige Staaten wie Brasilien, Australien, Schweden oder Kanada ihre kleinen Münzen. Schweden will bis 2023 vollständig auf Bargeld verzichten.

Seien Sie achtsam, wogegen ihr Geld eingetauscht werden soll. Und/oder agieren Sie frühzeitig.

Luxemburg, den 05.08.2018

Michael Feiten, Florian Konz & Ludwig Schnieders

Thomas Hobbes, Leviathan, Berlin 1966, Einleitung S. XI.

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