„Geld gleicht dem Dünger, der fast wertlos ist, 
wenn man ihn nicht ausbreitet.“ Sir Francis Bacon (1561-1626)

„Zunächst ein laues Bad, dann wird das Wasser immer heißer,
und am Schluss explodiert die Wanne.“ André Kostolany (1906-99)

„Wer sein Vermögen schützen will, glaubt gar nichts, sondern rechnet mit allem.“
Mayer Amschel Rothschild (1744-1812)

„Wenn die Regierung das Geld verschlechtert, um alle Gläubiger zu betrügen,
so gibt man diesem Verfahren den höflichen Namen Inflation.“ G. B. Shaw (1856 - 1950)

Wie wir denken - was wir tun: ein Rückblick auf den Monat Juni 2017

Wie wir denken - was wir tun: ein Rückblick auf den Monat Juni 2017

Verehrte Investoren,
 „Solange die Musik spielt, muss man aufstehen und tanzen. Wir tanzen immer noch.” Charles Prince   

Als 1951 der erste Spielcomputer „Nimrod“ nach Deutschland kam, war die Aufregung groß: Zwar weigerte sich der damals schon 75-jährige Konrad Adenauer („keine Experimente“), gegen den Computer zu spielen - nicht aber sein damaliger Wirtschafsminister Ludwig Erhard. Er spielte drei Mal gegen das sogenannte „Elektronengehirn“. Obwohl das Spiel Nim denkbar einfach erscheint, verlor Erhard alle drei Spiele.

Die vier Internet-Giganten Amazon, Apple, Alphabet (Google) und Facebook weisen aktuell KGVs von 145, 20, 32 und 40 aus, was, anders als ihre Gewinnentwicklung, weit über dem historischen Durchschnitt liegt. Gleichzeitig gibt es laut Bloomberg-Datenbank insgesamt 177 einzelne Analysen (jeweils von anderen Analysten) zu diesen 4 Unternehmen. Gerade einmal 2 (!) Verkaufsempfehlungen sind dabei. Wenn dies nicht einen extrem breiten „consensus trade“ zeigt, was dann?

Besagte vier Unternehmen weisen zusammen eine gigantische Börsenkapitalisierung von ca. 2,3 Billionen (!) USD aus. Das entspricht mehr als der gesamten Wirtschaftsleistung eines Jahres von z.B. Italien, Indien oder der Arabischen Liga und nur knapp weniger als der von Großbritannien oder Frankreich. Oder, vielleicht ein besserer Vergleich: die Börsenkapitalisierung dieser 4 Unternehmen ist fast doppelt so hoch, wie die des gesamten DAX (ca. 1,2 Billionen USD). Dagegen wirkt selbst das, was alle Banken seit der Finanzkrise an Aktien emittiert haben (1,144 Billionen USD, also 1.144,00 Milliarden USD), nicht hoch.

Entsprechend nutzten wir die im Berichtsmonat etwas angezogene Volatilität, um ein Produkt einzukaufen, das eine Rendite von ca. 4% erwirtschaftet, sofern der Nasdaq100, dessen Kursverlauf zu exakt einem Drittel nur von diesen vier Werten abhängt, nicht sehr stark steigt. Sollte die Rallye für dieses Segment der Aktien „wider alle analytische Vernunft“ weitergehen (diese Aktien sind schließlich schon seit langem „überbewertet“), so gelten auch für dieses Investment unsere bewährten Verlustvermeidungsprinzipien.

Apropos: Wir hatten Ihnen unlängst dargelegt, dass wir Anleihen höchster Bonität ohne ernsthaftes Durationsrisiko in Russischen Rubel für Sie erworben haben. Inzwischen haben wir – temporär und wie avisiert – den Rubel abgesichert.

Heute ist Russland in einer ökonomisch erheblich besseren Situation als 1997, kurz vor der damaligen Russland-Krise. In dem Jahr trat der damalige Schwachweltmeister Garri Kasparow im Schach erneut gegen den Computer „Deep Blue“ von IBM an, nachdem er die erste Auseinandersetzung knapp gewonnen hatte. Sein Ziel lautete: „Ich muss die Ehre der Menschheit verteidigen.“ Als er verlor, sorgte das weltweit für große Aufregung. Hingegen schnellten die Aktienkurse des damaligen Technologie-Giganten IBM in die Höhe, getragen von einer der größten Spekulationsblasen der Börsengeschichte.

Zwanzig Jahre später gelang es erstmals einem Computer, das hochkomplexe Spiel „Go“ gegen seinen Weltmeister-Kontrahenten aus Fleisch und Blut zu gewinnen. Anders als die historischen Erfolge von „Computern“ zuvor, nahm die Weltöffentlichkeit dieses Mal davon kaum Notiz.  Noch ein Jahr zuvor waren „Computer“ bei dem Spiel auch gegen Amateure völlig chancenlos gewesen, seitdem ist der Mensch völlig chancenlos. Der technologische Fortschritt ist rasant. Insofern ist es wahrscheinlich falsch, immer noch von „Computern“ zu sprechen. Wir haben es mit „Künstlicher Intelligenz“ zu tun.

Im Juli 2007 waren längst die ersten sehr großen Warnzeichen am US-Immobilienmarkt zu erkennen, auch in Form von großen Verlusten in den Bankbilanzen. Dennoch sagte Charles Prince, Chairman des damaligen Banken-Giganten Citigroup, noch am 09. Juli 2007 in der New York Times: „Solange die Musik spielt, muss man aufstehen und tanzen. Wir tanzen immer noch.“  Dies ist nicht unser Ansatz. Als erfahrene Investoren verlassen wir eine Börsenparty, wie z.B. die bei den Technologie-Giganten, lieber etwas früher, als etwas später.

Unser defensiv-diversifizierter Charakter drückt sich in einer – auch im Vergleich zu anderen Multi-Asset – und Sachwerte-Fonds - sehr starken Sharpe-Ratio von weit über 2 (!) aus.

Luxemburg, den 10.07.2017

Michael Feiten, Florian Konz & Ludwig Schnieders

Mike , 11.07.2017 um 15:07
Ich erlaube mir keine Einschätzung zum Aktienmarkt als solches. Das Gewinnwachstum innerhalb des Technologie-Sektors scheint die Bewertungen jedoch zu rechtfertigen. Bernstein sieht das diesjährige Gewinnwachstum des Sektors bei 13 % im Vergleich zu den mageren 3 % des Gesamtmarktes.

Während das im Text genannte Google Jahr für Jahr organisch mit über 20 % wächst und angemessen bewertet scheint, mutet die Bewertung von Amazon nach fundamentalen Kriterien abenteuerlich an. Aktive Fonds können diese Unterscheidung jedoch im Gegensatz zu den "Passives" treffen.

Natürlich haben wir nun über Jahre starke Aktienmärkte und einen noch stärkeren Technologie-Sektor gesehen, was die Nervosität der Anleger erhöht und mich eine höhere Vola erwarten lässt. Beim kürzlichen Mini-Sell-Off wurde jedoch vor allem der breite Tech-Sektor über passive ETFs verkauft, mehr aus taktischen (Stichwort: "Gewinnmitnahmen") denn aus unternehmensspezifischen Beweggründen.

Die Parallele zur Dotcom Bubble der letzten Jahrtausendwende ist für mich nur scheinbar erkennbar: Solide Geschäftsmodelle sorgen für signifikante Cashflows und Liquiditätspolster der Unternehmen. Und selbst wenn wir einen Durchschnitt bemühen wollen: Damals wiesen 50 % der Tech-Unternehmen eine positive Umsatzrentabilität auf, heute liegt deren Anteil bei 90 %.

Kurzum, etablierte Tech-Unternehmen verfügen m.E. über solide Geschäftsmodelle, überdurchschnittliches Gewinnwachstum, relativ günstige Bewertungen in einem Nullzins-Szenario. Hinzu kommt: Tech eats into all industries. Die Digitalisierung hat gerade erst begonnen.

Andererseits sind politische und regulatorische Risiken nicht zu unterschätzen. Tanzen und Tech-Investments sind immer mit Risiken verbunden.







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