„Geld gleicht dem Dünger, der fast wertlos ist, 
wenn man ihn nicht ausbreitet.“ Sir Francis Bacon (1561-1626)

„Wer sein Vermögen schützen will, glaubt gar nichts, sondern rechnet mit allem.“
Mayer Amschel Rothschild (1744-1812)

„Zunächst ein laues Bad, dann wird das Wasser immer heißer,
und am Schluss explodiert die Wanne.“ André Kostolany (1906-99)

„Wenn die Regierung das Geld verschlechtert, um alle Gläubiger zu betrügen,
so gibt man diesem Verfahren den höflichen Namen Inflation.“ G. B. Shaw (1856 - 1950)

Wie wir denken - was wir tun: ein Rückblick auf den Monat Juni 2018

Wie wir denken - was wir tun: ein Rückblick auf den Monat Juni 2018

Verehrte Investoren,

 „Die messbare Seite der Welt ist nicht die Welt. Sie ist die messbare Seite der Welt.“
Martin Seel

Der berühmte Marshmallow-Test (den wir, wie Sie wissen, mit unseren Investments immer bestehen) wurde einer neuen Prüfung unterzogen – und zum Teil widerlegt. Es wäre auch zu schön gewesen, anhand eines kleinen Testes die künftige Entwicklung seiner Sprösslinge abzuleiten. Wie an der Börse, so auch in der Erziehung, scheint zu gelten: es gibt eben doch keine Monokausalitäten, sondern immer nur ein komplexes Geflecht aus Ursachen und Wirkungen, sobald „die“ Psychologie ins Spiel kommt. Das ist umso schwieriger, als das unser Gehirn dennoch auf einfache „wenn-dann-Bedingungen“ angelegt ist, das heißt sie sehen und finden will. Solche Monokausalitäten bieten Zahlen.

Wenn wir zum Beispiel messen, um wie viel Prozent die Aktienmärkte im Juni gefallen sind, so kann man eindeutige Zahlen benennen: alle großen Aktienmärkte lagen im Minus, allen voran der DAX mit -3,29%.

Wenn wir aber versuchen herauszufinden, warum das so ist, also nach Gründen fragen, so kann man diese nicht klar messen. Niemals. Nicht nur, dass alle Akteure an den Finanzmärkten Individuen, Institutionen - und ja, auch - Algorithmen unterschiedliche „Motive“ und „Ziele“ haben. Nein, wir können selbige auch nur erahnen. Selbst wenn wir sie wüssten, wäre es eine schwerwiegende Prämisse, dass die jeweiligen Akteure auch tatsächlich nach ihren Zielen agieren, also im klassischen Sinne rational, das heißt (vernunftgeleitet und) zweckgerichtet handeln. Und selbst wenn die Hürde genommen würde, wären die Einsichten Gustave Le Bons immer noch aktuell, vielleicht sogar zeitlos, der konstatierte: „…nichts ist wandelbarer und schillernder als das Denken der Massen.“1

Gleichwohl stellt das Genannte keinen Grund dar, nicht nach Gründen zu suchen. Je mehr Argumente, vor allem je mehr Gegenargumente, wie Ray Dalio sagen würde, wir finden, desto fundierter erfolgt die Diskussion. Ein zentraler Faktor für alle Finanzmärkte sind grundsätzlich die Zinsmärkte, präziser: das Zinsniveau.

Nach der Anhebung im März legt das FED erneut nach. Die Zinserhöhung der US-Zentralbank um 0,25 Prozent auf Spanne von 1,75 bis 2 Prozent stellt ein Niveau dar, dass zum letzten Mal vor über zehn Jahren, vor dem Lehman-Kollaps, gesehen wurde. Auf Sicht von einem Jahr erwarten die Marktakteure aktuell drei weitere Zinserhöhungen.

Trotz des im sehr langen historischen Vergleich immer noch niedrigen Zinsniveaus, sind die US-Zinsen historisch hoch in Relation zu anderen entwickelten Ländern. Nach klassischer Lesart impliziert das einen steigenden US-Dollar. Dem steht jedoch das zwar deutlich gesunkene, aber dennoch hohe Handelsdefizit gegenüber, von welchem der Großteil zu China besteht, aber auch zur EU – den beiden Wirtschaftsräumen, die nun mit Strafzöllen überzogen werden und entsprechend reagieren.  Bei Lichte betrachtet, haben die USA seit Mitte der 1970er Jahre ein Handelsbilanzdefizit und damit lange „erfolgreich gelebt“. Doch nun will „jemand“ das ändern, setzt tatsächlich seine Wahlversprechen um und manövriert sich und andere damit in einen Handelskrieg.

Gold bewährt sich in dieser Phase erneut nicht als „der“ sichere Hafen – das Minus von 3,21% im Berichtsmonat tangiert uns kaum, da wir Gold erneut veroptioniert haben und eine Seitwärtsrendite generieren können. Im Zinssegment haben wir uns, nachdem wir in beiden Investments schon einen großen Teil der (angepeilten) Reise hinter uns haben, die Gewinne eingefahren und unsere Positionen in Russischen Rubel und Mexikanischen Peso bis auf Weiteres verkauft. Insbesondere mit Blick auf die Stabilität des Gesamtportfolios. Damit haben wir aktuell nur noch eine Fremdwährungsposition: den eben genannten US-Dollar, den wir – aus genannter Gemengelage – auf neutral gestellt, das heißt hälftig abgesichert haben. 

Auch in Europa bietet die Zinslandschaft keine klaren Signale, oder vielmehr: selbst einfache, früher klare „Wahrheiten“ und „Monokausalitäten“ sind passé: Seit der Wende in Deutschland haben sich die (fünfjährigen) Zinsen der deutschen Staatsanleihen immer ähnlich dem bundesdeutschen Wirtschaftswachstum entwickelt (Ausnahme: „Lehman-Jahr“ 2008) – dies hat sich seit einigen Jahren, genau genommen seit dem auch die EZB  in die Quantitative Lockerung eingestiegen ist, signifikant verändert. Pendeln die deutschen Zinsen seitdem zwischen minus und plus 1%, liegt das Wachstum Deutschlands bzw. der Eurozone seitdem konstant zwischen 1,5% und 3,5%. Würden wir uns nur auf das Zinsniveau Deutschlands verlassen, so wäre dies ein klar rezessiver Indikator, der sich auch im Berichtsmonat wieder verstärkte: so ist die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen von 0,76% im Januar auf unter 0,30% im Juni gefallen. Selbst wenn wir mehrere Faktoren berücksichtigten, so ist doch die Entscheidung, welcher Faktor wie stark gewichtet wird, diskretionär, das heißt hat eine gewisse, nicht zu eliminierende subjektive Note.  In einer größeren Dimension gilt das auch für „Künstliche Intelligenz“:

„Die weit verbreitete Vorstellung von Managern, die ihren Computern Fragen von der Form eingeben: ´Was sollen wir jetzt tun?` Und dann auf die ´Entscheidung` des Computers warten, ist weitgehend falsch. In Wirklichkeit sieht es so aus, dass die Menschen die Verarbeitung von Informationen, auf denen Entscheidungen gegründet sein müssen, enorm komplexen Computersystemen überlassen haben."2

Eine – unseres Erachtens – zeitlose Einsicht. Gegenwärtig erlebt allerdings nicht nur die Finanzbranche, sondern selbst das Fondsmanagement einen wahren Hype um das Thema Künstliche Intelligenz. Es ist legitim, Hilfsmittel wie KI zu benutzen – genau genommen, ist es sogar geboten, die optimalen technischen Mittel zu nutzen.

Jedoch: Wir überlassen unsere Entscheidungen nicht den Computern. Niemals. Rechner, so kann man sagen, verarbeiten Informationen und modellieren Entscheidungen – aber sie „entscheiden“ nicht selbst. Sie können es nicht. Streng genommen „denken“ sie nicht, das heißt sie haben keine Intelligenz. Nur wenn man „Intelligenz“ wörtlich nimmt als vom Lateinischen „inter“ („zwischen“) und „legere“ („wählen“, „lesen“), dann vielleicht schon, denn sie können (auf Basis genau vorgegebener Entscheidungszweige) zwischen Alternativen wählen – doch diese (einfache) Form der Intelligenz ist sehr weit weg von dem, was ein jeder Mensch mit seinem Bewusstsein verbindet.

Qualität ist etwas anders als Quantität.

Luxemburg, den 05.07.2018

Michael Feiten, Florian Konz & Ludwig Schnieders

P.S.: Kein Grund zur Unruhe: fallende Aktien- und Rentenmärkte? Wir befinden uns in einem absolut normalen Börsenjahr bis dato. 

 

Gustave Le Bon (1895): Psychologie der Massen. Aus dem Französischen von Rudolf Eisler, 2. Auflage, Leipzig 1912, S. 171.

Joseph Weizenbaum (1977 [!]): Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft, Frankfurt, S. 63. 

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