„Wer sein Vermögen schützen will, glaubt gar nichts, sondern rechnet mit allem.“
Mayer Amschel Rothschild (1744-1812)

„Zunächst ein laues Bad, dann wird das Wasser immer heißer,
und am Schluss explodiert die Wanne.“ André Kostolany (1906-99)

„Wenn die Regierung das Geld verschlechtert, um alle Gläubiger zu betrügen,
so gibt man diesem Verfahren den höflichen Namen Inflation.“ G. B. Shaw (1856 - 1950)

„Geld gleicht dem Dünger, der fast wertlos ist, 
wenn man ihn nicht ausbreitet.“ Sir Francis Bacon (1561-1626)

Wie wir denken - was wir tun: ein Rückblick auf den Monat März 2018

Wie wir denken - was wir tun: ein Rückblick auf den Monat März 2018

Verehrte Investoren,

 „Der größte Feind des Wissens ist nicht Ignoranz, sondern die Illusion, wissend zu sein.“
Stephen W. Hawking

haben Sie Ihrem Auto einen „Namen“ gegeben, also nicht die offizielle Fahrzeug-Bezeichnung des Herstellers, sondern einen eigenen Namen? Ihrem Mobiltelefon vielleicht oder einem sonstigen Gegenstand?

In der Meteorologie begann man während des 2. Weltkrieges, (zunächst weibliche) Vornamen in alphabetischer Reihenfolge für Taifune und Hurrikane zu vergeben. Nachdem „Irma“ im letzten Jahr einige Herausforderungen bereithielt, steht ab Anfang Juni die nächste Hurrikane-Saison an. Zwar war der gesamte Cat-Bond Markt in 2017 gemessen an der jüngeren Historie (seit 2000) mit überdurchschnittlichen Versicherungsschäden konfrontiert  jedoch blieb die Ausfallrate signifikant unter den Modellerwartungen der großen Rückversicherer zurück.

Die Bewertungen der Cat-Bonds warenaus unserer Sicht im September des letzten Jahres zu stark am Sekundärmarkt unter Druck geraten – weshalb wir die Position aufstockten. Dieses Engagement werden wir im nächsten Monat wieder mit Gewinnen veräußern, zumal eine starke Hurrikane-Saison 2017 keinerlei seriöse Aussage über die des Folgejahres ermöglicht. Lediglich statistisch könnte man geneigt sein zu argumentieren, dass es unwahrscheinlich sei, dass auf ein „ungewöhnliches“ Jahr ein weiteres folgt. Doch da – originär die positive Seite von Cat-Bonds – Naturrisiken keine Korrelation untereinander aufweisen, impliziert das eben auch, dass durchaus auf ein „ungewöhnliches“ Jahr ein weiteres, oder sogar ein „herausragendes“ folgen kann.

Die Anlageklasse „versicherungsgebundene Anleihen“ entwickelt sich dennoch nach wie vor sehr gut. Wir sind, wie Sie wissen, bereits seit knapp zehn Jahren in diesem Segment investiert, das eine immer größere Tiefe und Breite bekommt. So hat die Weltbank unlängst Chile, Peru und Kolumbien auf den Cat-Bond-Markt begleitet – mit einem sehr beachtlichen und vielfach überzeichneten Investmentvolumen von 1,36 Milliarden USD (Erdbebenrisiken). Damit bietet sich noch einmal mehr Diversifikation für Cat-Bond-Investoren.

Quelle: Bloomberg, Zeitraum wie angegeben, eigene Erstellung

Auch in anderen Anlageklassen ist erheblich Bewegung zu verzeichnen. So gibt es im Zinssegment einige spannende Entwicklungen – längerfristige wie kurzfristige: 

  1. Der „TED-Spread“, der den Zinsaufschlag von US-Banken am Geldmarkt im Vergleich zum Land USA aufzeigt (und den daher manche auch schnodderig-publikumswirksam „Albtraum-Index der Banker“ nennen), ist stärker angezogen. Man könnte sagen: „auf das höchste Niveau seit Lehman“, man könnte jedoch auch sagen: auf 0,63% - und damit sehr, sehr weit entfernt vom damaligen Lehman-Niveau (über 3,00%!) Gleichwohl beobachten wir den TED-Spread, denn das Mindeste was über ihn gesagt werden kann, ist, dass es eine hohe Korrelation zwischen seinem Ansteigen und dem Fallen von Aktien gibt. Vielleicht beeinflusst er sogar den Finanzmarkt.
  2. Die Renditedifferenz zwischen 10-jährigen US-Staatsanleihen und ihren deutschen Pendants ist im März auf 2,33% gestiegen. Im Juli des Vorjahres betrug sie noch 1,70% - was auch schon ein Hoch bedeutete. Es gab zwar eine kleine Phase Ende 2016, in der die Differenz schon einmal so hoch war, doch so oder so – die Zinsdifferenz ist aktuell so hoch wie zuletzt vor 1990. Beim Blick auf kürzere Laufzeiten fällt der Unterschied gar noch frappierender aus: 2,88% zwischen 2-jährigen deutschen und amerikanischen Staatsanleihen.
    Hier tun sich neue Anlageopportunitäten in den Augen großer Institutioneller auf (mögliche Konsequenzen hatten wir bereits skizziert). Darüber hinaus reflektieren sich hierin markant unterschiedliche Erwartungshaltungen zu den mittelfristigen ökonomischen Perspektiven der beiden Währungsräume, zumindest jedoch unterschiedliche „Währungsregime“.
  3. Die US-Zinsstrukturkurve ist so flach wie seit über zehn Jahren nicht mehr (vor Lehman), sowohl in der kürzeren Frist (zehnjährige Renditen minus zweijährige) als auch mit längerem Blick (Spread zwischen dreißigjährigen und zehnjährigen Renditen). Die Differenz zwischen zehnjährigen und zweijährigen US-Staatsanleihen liegt bei nur noch 0,52% - 2011 lag sie noch knapp unter 3%. Normalerweise ist eine sehr flache Zinskurve Ausdruck eines abnehmenden ökonomischen Momentums.

Allerdings gibt es auch gute Gründe, weshalb die abflachende Zinskurve nicht so bedenklich sein könnte. In der geschilderten Zinslandschaft lässt es sich jedenfalls für viele Investoren – in Alternative zu Aktien – (zumindest auf kürzere Sicht) gut aushalten. Die Aktienmärkte korrigierten im Berichtsmonat zwar nicht „crash-artig“ (DAX -2,73%, S&P500 (EUR) -3,34%, Nikkei (EUR) -3,25%), jedoch so stark, dass Donald Trump seine Tweets zum Aktienmarkt – in denen er sich dafür lobte, dass die Aktien in seiner Amtszeit gestiegen seien – seit längerem vollständig eingestellt hat. Und das obwohl viele Strategen zuversichtlich für US-Aktien sind. Wir nicht, doch für uns ist das auch keine zentrale Frage. Aus den bekannten strategischen Gründen sowie da wir im März die Liquiditätsquote des NORD/LB Horizont weiter deutlich erhöhten, auf aktuell 15,91%. Für uns, als Fonds, der per se immer voll investiert sein möchte, ist das durchaus eine signifikante Aussage.

Festgehalten haben wir – trotz des begonnenen Zinserhöhungszyklus – an unserem Gold-Investment. Zwar gilt die Faustregel: „Je höher das aktuelle Zinsniveau, desto schlechter für den Goldpreis.“ Doch steigende Zinsen (wie aktuell in den USA) müssen nicht zwingend schlecht für den Goldpreis sein: Von Juni 2004 bis Juni 2006 stieg Gold um weit über 50% (von unter 400 USD auf über 700 USD) – trotz 17 (!) Zinserhöhungen der FED (von 1,00% auf 5,25%). Es gibt auch im Investmentbereich keine 100%igen Sicherheiten bzw. Gewissheiten. Jedoch gibt es eine Menge Torheiten und Irrtümer. Doch nicht nur dort…

B. B. King nannte seine Gitarre „Lucille“. Warum „Lucille“? Als er in seinen jungen Jahren in einem Club spielte, brach dort, ausgelöst durch eine Schlägerei, ein großer Brand aus. B. B. King flüchtete aus dem Holzgebäude nach draußen, wo er zu seinem Schrecken feststellte, dass er seine Gitarre vergessen hatte. Er rannte zurück und verlor dabei fast sein Leben. Als er wieder im Freien war (mit seiner Gitarre), erkannte er seine Torheit. Die Schlägerei entwickelte sich im Übrigen, da zwei Herren um die Gunst der Bardame stritten – sie hieß Lucille. Als Erinnerung, eine derartige Dummheit nie wieder zu begehen, nannte er seine Gitarre(n) Lucille.

Welchen Namen könnten Sie Ihrem Depot geben? Vielleicht „John“ nach dem ETF-Begründer John C. Bogle, wenn Sie glauben, es sei gut, allein mit ETFs Ihr Vermögen zu managen. Oder „Franklin“ in Anlehnung an Franklin D. Roosevelt, der 1933 den privaten Goldbesitz in den USA verbot. (Nicht nur, dass das Gesetz 41 (!) Jahre Bestand hatte, auch andere Demokratien wie Deutschland, England oder Indien hatten zu unterschiedlichen Zeiten Goldverbote.) Vielleicht sind Sie auch in (zu großem) Maße Immobilien-Investor? Dann könnten Sie Ihr Wertpapierdepot als Ausgleich und Mahnung vielleicht „Wagner“ nennen, in Anlehnung an Martin Wagner, den Erfinder der 1926 eingeführten „Hauszinssteuer“. Diese Steuer auf Immobilien kam einer de-facto-Enteignung gleich. Die meisten Immobilienbesitzer mussten ihre Häuser veräußern. Die Preise der Immobilien fielen um bis zu 50%, in Einzelfällen bis zu 90%. Damit war der Wert (zumindest der damalige Preis) geringer, als die zu zahlenden Steuern.

Es existiert keine zu 100% sichere Anlageklasse. Wahrscheinlich gibt es auch keine 100%ige Sicherheit bzw. Gewissheit. Der im März verstorbene Stephen Hawking glaubte nicht – was jedoch die Relativitätstheorie impliziert - dass „Zeitreisen“ möglich sind. Daher lobte er – bereits 1992 – einen Preis von einer Million USD für denjenigen aus, der beweist, dass Zeiteisen unmöglich sind. Bis heute gewann niemand das Geld.

Als letztes Mittel blieb Hawking daher nur der Humor: er lud zu einer großen Feier mit Champagner, Luftballons etc. ein. Jedoch erschien kein einziger Gast – Hawking hatte zu einem Datum in der Vergangenheit eingeladen, um potenzielle Zeitreisende zu begrüßen.

Luxemburg, den 11.04.2018

Michael Feiten, Florian Konz & Ludwig Schnieders

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