„Wenn die Regierung das Geld verschlechtert, um alle Gläubiger zu betrügen,
so gibt man diesem Verfahren den höflichen Namen Inflation.“ G. B. Shaw (1856 - 1950)

„Wer sein Vermögen schützen will, glaubt gar nichts, sondern rechnet mit allem.“
Mayer Amschel Rothschild (1744-1812)

„Geld gleicht dem Dünger, der fast wertlos ist, 
wenn man ihn nicht ausbreitet.“ Sir Francis Bacon (1561-1626)

„Zunächst ein laues Bad, dann wird das Wasser immer heißer,
und am Schluss explodiert die Wanne.“ André Kostolany (1906-99)

Wie wir denken - was wir tun: ein Rückblick auf den Monat Mai 2017

Wie wir denken - was wir tun: ein Rückblick auf den Monat Mai 2017

Verehrte Investoren,

„Falls Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann bedeutet sie das Recht darauf, den Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen.” George Orwell

Als Jeff Gundlach unlängst auf der Ira Sohn Konferenz auftrat, zeigte der Bond-Guru das Bild „Die Nacht“ von Max Beckmann, der damit die Ernüchterung nach dem Ersten Weltkrieg zum Ausdruck brachte. Gundlach führte aus: „Dieses Bild könnte heute den Titel tragen: Porträt eines Fondsmanagers 2017, der ausschließlich in US-Aktien investiert.“ In der Tat: es ist kein Geheimnis, dass US-Aktien sehr ambitioniert bewertet sind. Gleichzeitig fällt das US-Wirtschaftswachstum mit 0,7% deutlich schlechter aus, als speziell nach dem Trump-Sieg von vielen Marktakteuren erhofft („Reflation-Trade“).

 

Was Europa bzw. die Eurozone angeht, so wurden unlängst erstaunlich gute Zahlen veröffentlicht: im Februar die mit 9,5% niedrigste Arbeitslosenquote seit März 2009 (damaliges DAX- Tief am 06. März 2009 bei 3.666,41 (!) Punkten – seinerzeit ein Absturz gegenüber Juli 2007 um 55,02%), die Einkaufsmanagerindizes auf dem höchsten Stand seit April 2011 und das Konsumentenvertrauen gar auf dem höchsten Stand seit vor der Finanzkrise, also seit Juli 2007.
Im 1. Quartal entwickelte sich entsprechend das Wachstum der europäischen Wirtschaft doppelt so stark, wie ihr US-Pendant, das deutsche sogar drei Mal so stark – all das mit den entsprechenden Konsequenzen auf der Währungsseite, also einem fallenden US-Dollar, von dessen negativer Wertentwicklung von knapp 3 % gegenüber dem EUR wir nicht betroffen waren, da wir den USD vollständig abgesichert hatten.

Den temporären Anstieg des USD im Berichtsmonat auf unter 1,09 nutzten wir, um bei der in USD notierten Polen-Anleihe erneut Gewinne (auch auf der Kursseite) mitzunehmen.

Dies gelang uns – neben der schon bewährten (Options)Prämien-Einnahmen auf unser Gold-Investment – auch mit unserer Absicherung über Volatilitätskontrakte. Dies, obwohl der VIX, der die vom Optionsmarkt erwartete Schwankungsbreite des S&P500 abbildet, so tief sank, wie seit 1993 nicht mehr. Ohnehin notierte er seit seiner Lancierung vor 27 Jahren nur an elf  Tagen überhaupt unter 10. Der langfristige Durchschnittswert liegt bei 19,6. Auch in anderen Segmenten wie Währungen, Rohstoffe, Staatsanleihen und sogar Credits sind die Volatilitäten aktuell sehr niedrig. Man kann nicht sagen, dass Warnzeichen derzeit rar gesät wären.

Das Eingangszitat stammt aus dem Nachwort von George Orwells „Farm der Tiere“. Doch angesichts steigender Märkte und extrem geringer Volatilitäten scheinen sich nur wenige Marktakteure für diese „Wahrheit“ zu interessieren. Im bekanntesten Werk von Orwell – 1984 – arbeitet die Hauptfigur des Romans, Winston Smith, im „Ministerium für Wahrheit“. Seine Aufgabe ist es, trotz erheblicher persönlicher Zweifel an seiner Aufgabe, alte Zeitungsartikel umzuschreiben, um sie an die „neue Wahrheit“ anzupassen.

Es ist kein Zufall, dass das Buch gegenwärtig eine besondere Renaissance durch die Leserschaft erlebt, denn wer Donald Trump verstehen will, sollte dieses Buch lesen. Apropos: auch wenn man in Anlehnung an „Farm der Tiere“ sagen könnte: „alle US-Präsidenten sind gleich, aber manche sind gleicher“, in dem sie offensichtlich die privaten Interessen mit denen ihres Staatsamtes vermischen, gilt es zu versuchen, gilt es für uns, weiterhin kühlen Kopf zu wahren: Die USA haben schon einige Präsidenten aushalten müssen, doch noch nie war ein Impeachement-Verfahren in den USA erfolgreich. Wir werden sicher keine „Wetten“ auf dieses sehr, sehr zarte Hoffnungspflänzchen für manche Finanzmarktteilnehmer eingehen. Unser Ausweg war, ist und bleibt ohnehin: Diversifikation.

Mit seinem Bild stellte Max Beckmann damals  zwar Gewalt dar wie noch nie zuvor, aber er begehrte damit auch gegen das allgemeine, lähmende Gefühl der Ausweglosigkeit auf. Insofern ist es auch knapp einhundert Jahre nach seiner Entstehung zeitlos aktuell.  


Luxemburg, den 01.06.2017

Michael Feiten, Florian Konz & Ludwig Schnieders

Keine Kommentare






* - Pflichtfeld

 

Hinweis in eigener Sache:

Willkommen bei Nordlux Vermögensmanagement. Unsere Kundenberater arbeiten derzeit im Home Office, doch bleiben wir voll einsatzfähig und erreichbar. Ihr Anruf wird automatisch an Ihren Berater weitergeleitet. Wir bitten Sie, eventuelle Verzögerungen auf Grund der derzeit starken Beanspruchung der Telefonleitungen zwischen Deutschland und Luxemburg, zu entschuldigen.