„Zunächst ein laues Bad, dann wird das Wasser immer heißer,
und am Schluss explodiert die Wanne.“ André Kostolany (1906-99)

„Wenn die Regierung das Geld verschlechtert, um alle Gläubiger zu betrügen,
so gibt man diesem Verfahren den höflichen Namen Inflation.“ G. B. Shaw (1856 - 1950)

„Geld gleicht dem Dünger, der fast wertlos ist, 
wenn man ihn nicht ausbreitet.“ Sir Francis Bacon (1561-1626)

„Wer sein Vermögen schützen will, glaubt gar nichts, sondern rechnet mit allem.“
Mayer Amschel Rothschild (1744-1812)

Wie wir denken - was wir tun: ein Rückblick auf den Monat November 2017

Wie wir denken - was wir tun: ein Rückblick auf den Monat November 2017

Verehrte Investoren,

 „Vergiss nicht, dies sind die Jahre
   Wo es nicht gilt zu siegen, sondern
   Die Niederlage zu erfechten.“
                                    Bertold Brecht

Seit den 1930er Jahren ist der amerikanische S&P 500-Index um über 7,1% p.a. gestiegen. Der DAX kommt seit seiner Auflage am 31. Dezember 1987 sogar auf eine Rendite von über 9% p.a. – beides im Durchschnitt, wohlgemerkt, aber dennoch. Eine Investition in den DAX bei seiner Auflage (zu 1.000 Punkten) hätte tatsächlich eine Rendite von über 1.200,00% erwirtschaftet. Also wäre es – gerade mit Blick auf das gegenwärtige, immer wieder referierte Börsennarrativ, nach dem Aktien in Ermangelung von Zinsen „alternativlos“ seien – für informierte Anleger eine plausible Überlegung, ihr Kapital in Aktien zu investieren. 

Jedoch: Wenn man sich anhand der aktuellen Shiller-KGVs überlegt, wie die künftige Rendite von Aktien aussehen könnte, so ist der Blick in die Vergangenheit zumindest ein potenzielles Indiz. Etwas verkürzt lässt sich festhalten: je höher die aktuellen Bewertungen, desto geringer die Rendite für die kommenden zehn Jahre. Auf den aktuellen Niveaus (Shiller-KGV für USA: 26, für den DAX: 21) lagen die folgenden Zehnjahresrenditen niemals im zweistelligen Prozentbereich, sondern vor allem im negativen oder niedrigen einstelligen Bereich.

Andererseits waren – seit Beginn der Aufzeichnungen 1826 – nur 57 Jahre im (US-) Aktienmarkt überhaupt negativ, d.h. nur 30% aller Jahre. 70% aller Aktienjahre waren also positiv! Wiederum andererseits waren die Verluste in manchen Jahren exorbitant, z.B. im DAX 1987 über 30%, in den Jahren 2002 und 2008 sogar über 40%. In weiteren sechs Jahren schloss der DAX mit einem Minus von über 20% ab. Apropos: der größte Tagesverlust z.B. im Dow Jones Index lag allein bei 22,61%, gefolgt von zwei Tagen im Oktober 1929 mit einem Minus von 12,82% und 11,73%. Selbst der fünfzigschlechteste Tag (22. Januar 1932) schlägt immer noch mit einem Minus von 5,53% zu Buche.

Aber könnten nicht die höchsten Ausschüttungen der DAX-Unternehmen aller Zeiten (via Dividenden) mit 35 Milliarden nächstes Jahr ein weiteres Rekordjahr für den DAX bedeuten? Und ist nicht eine aktuelle Dividendenrendite von ca. 2,6% einer Investition in Bundesanleihen, die aktuell ca. mit 0,4% rentieren, vorzuziehen? Zumal der Dezember ein traditionell guter Aktienmonat ist – seit 1988 war er nur sechs Mal negativ.

All dies sind Aspekte und Argumente, die Sie gegenwärtig in Börsenausblicken für das Kalenderjahr 2018 lesen.. Je nach Intention des Verfassers werden die einen oder die anderen stärker in den Fokus gerückt. Für uns sind diese Ausblicke nur zum Teil wichtig:

Erstens lehnen wir Prognosen tendenziell ab, insbesondere prinzipiell solche, die Zahlen nennen (wie z.B. „der DAX steigt im Jahr 2018 auf 14.200 Punkte“). Wir versuchen, die dargelegten Argumente herauszufiltern und überlegen dann, ob wir sie als plausibel erachten.

Zweitens ist für uns nicht wirklich relevant, welche Entwicklung der DAX an den Tag legt: Das Beta des NORD/LB Horizont Fonds zum DAX beträgt 0,093 (!). Das Beta zum REXP beträgt vernachlässigbare 0,017, sowie das zu den großen Mischfonds der Branche auch nur 0,2. Wir positionieren uns ausdrücklich als Alternative zu diesen. Die großen Mischfonds der Branche weisen übrigens Betas von 0,5 – 0,7 zueinander aus. Der Grund: sie investieren – anders als wir - nur in Aktien und Renten.

Drittens: auch wenn unser Beta zu Aktien deutlich höher wäre (obwohl wir kein maskierter Aktienfonds sind und sein werden, da Aktien bei uns, wie alle Anlageklassen, strukturell moderat gewichtet sind): so haben wir immer noch die bewährten Absicherungsinstrumente für diese Anlageklasse wie unser Aktiensicherheitsnetz, Volatilitätskontrakte sowie in besonderen Situationen einen sogenannten Long Put. 

Keiner soll hier eintreten ohne Kenntnis der Geometrie“ stand schon seinerzeit auf der Front der von Platon gegründeten Akademie. Damit meinte Platon auch die Zahlenlehre. Tatsächlich hat der grundlegende Trend, alles (ver)messen und quantifizieren zu wollen, lange Jahrtausende vor Platon zurückliegende Ursprünge, wenngleich die Dynamik in den letzten Jahren sehr stark zugenommen hat – mit (vermutlich) gravierenden Folgen.

Auch wir „vermessen“ unsere Investments täglich, wöchentlich, monatlich und so weiter. Sind die Performancedaten gut? Ist der Spread der betrachteten Anleihe relativ zur „risikofreien“ Anleihe angemessen? Sind die Korrelationsdaten der Alternativen Investments  u.a. unseres Liquid Alternatives-Baskets relativ zum Gesamtportfolio gut (also gegen null tendierend)? Müssen wir bei einer Position – wider vorherige Überlegung und Intuition – Verluste begrenzen? Letzteres haben wir im Berichtsmonat – wie avisiert - getan. Unser kleines Investment, das auf nur noch moderat steigende oder stagnierende Bewertungen von Technologiewerten setzte, war – mit steigenden Kursen des Nasdaq – trotz seines Risikopuffers ins Minus gerutscht, sodass wir das entsprechende Zertifikat verkauften.

Eines unserer zentralen Investmentprinzipien ist: Verluste vermeiden. Dies Prinzip gilt zunächst für jedes Zielinvestment sowie – davon unabhängig (!) – auf Gesamtportfolioebene. Unser Fokus, Verluste zu vermeiden ist nicht nur dem schlagenden mathematischen Argument geschuldet, dass man z.B. bei einem 20%igen Verlust eine Wertentwicklung von 25% braucht, um wieder beim Ausgangspunkt zu stehen (100 – 20% = 80; 80 + 25% = 100), sondern es gehört auch zu den Pflichten eines Portfoliomanagers, sich einzugestehen, wenn man eine falsche Entscheidung getroffen hat. Nach allem, was uns zu der damaligen Kaufentscheidung bewogen hat, sehen wir nach wie vor ein gutes Set-up für eine Korrektur im Technologiesektor, zumindest bei den großen Indizes. Doch offensichtlich haben das die anderen Marktteilnehmer in diesem Fall – zumindest für den Moment – anders gesehen.

Brecht schrieb die eingangs zitierten Zeilen kurz bevor die Nationalsozialisten seinerzeit an die Macht kamen. Tatsächlich ist nicht genau überliefert, ob Brechts Gedanken aus dem Jahr 1931, 1929 oder 1932 stammen. Zahlen sind auch nicht das Wichtigste, wenn es – wie in Brechts „Prognose“ - um prinzipielle Fragen geht. Das sah übrigens auch Platon so. Für ihn bedeuteten Zahlen und Geometrie nur einen Zugang zum Reich der Ideen, die nach ihm zeitlos sind und ergo auch vor den Zahlen da waren. Eine Idee ist zum Beispiel „Gesundheit“. Wie kann man diese messen? Man kann Krankheit messen, z.B. anhand einer erhöhten Temperatur. Doch was zeichnet – in Zahlen - die gute Gesundheit eines Individuums aus?

Unsere „Idee“, unser Prinzip, um uns vor Verlusten zu schützen und (weitestgehend) prognosefrei arbeiten zu können ist eine breite Diversifikation über viele mathematisch (quantitativ) und konzeptionell (qualitativ) unkorrelierte Anlageklassen.

Wir wünschen Ihnen eine frohe, besinnliche und gesunde Weihnachtszeit.

Luxemburg, den 15.12.2017

Michael Feiten, Florian Konz & Ludwig Schnieders

Fundi , 05.02.2018 um 22:02
Hier sagen Sie es auch selbst. Die Niederlage wird gerade erfochten, Nikkei minus sieben Prozent, Dow nicht viel weniger.

Sind das Kaufkurse wg Panik jetzt?







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