„Zunächst ein laues Bad, dann wird das Wasser immer heißer,
und am Schluss explodiert die Wanne.“ André Kostolany (1906-99)

„Wenn die Regierung das Geld verschlechtert, um alle Gläubiger zu betrügen,
so gibt man diesem Verfahren den höflichen Namen Inflation.“ G. B. Shaw (1856 - 1950)

„Wer sein Vermögen schützen will, glaubt gar nichts, sondern rechnet mit allem.“
Mayer Amschel Rothschild (1744-1812)

„Geld gleicht dem Dünger, der fast wertlos ist, 
wenn man ihn nicht ausbreitet.“ Sir Francis Bacon (1561-1626)

Wie wir denken - was wir tun: ein Rückblick auf den Monat September 2017

Wie wir denken - was wir tun: ein Rückblick auf den Monat September 2017

Verehrte Investoren,

 „Die starke Hoffnung ist ein viel größeres Stimulans des Lebens, als irgendein einzelnes wirklich eintretendes Glück.“ Friedrich Nietzsche 

als Prometheus einst den Göttern das Feuer stahl, um es den Menschen zu bringen, wurde er von seinem Vater Zeus sehr hart bestraft: er wurde an einen Felsen festgeschmiedet (!), wo ihn jeden Tag aufs Neue ein Adler heimsuchte, um seine Leber zu fressen. Viel schlimmer wurden aber – vielleicht – die Menschen bestraft: Ihnen schickte Zeus die zwar aus Lehm geschaffene, jedoch menschlich aussehende, verführerische Pandora mitsamt der berühmten Büchse, die – so Zeus‘ Warnung - unter allen Umständen verschlossen bleiben sollte. Pandora öffnete sie jedoch, sodass alle Übel und Krankheiten aus ihr entströmten und seither die Menschheit plagen. Pandora hatte die Wahl – und entschied sich, entgegen den guten Ratschlägen zu handeln.

Auch die Deutschen hatten im September die Wahl. Ob das Ergebnis auch in einer längeren Perspektive als „historisch“ eingestuft werden wird, ist offen. Jedoch zeigten sich die Finanzmärkte trotz des anders als erwarteten Ergebnisses extrem gelassen. Und das, obwohl den September sicher eine besondere Mystik umgibt. Nicht ganz ohne Grund:

Von den sechs verlustreichsten Monaten des DAX (seit 1959), waren gleich drei Septembermonate – mit Zahlen, die beeindrucken: -16,69% (2001), -18,08% (1990) sowie als unangefochtener Spitzenreiter: -25,42% (2002). In den USA liegt der Spitzenwert sogar bei einem Monatsverlust von fast einem Drittel (1931). Tatsächlich ist der September aber nicht nur bei den Extremverlustwerten Spitzenreiter, sondern er weist auch die höchste negative Durchschnittsrendite auf – an allen großen Aktienmärkten der Welt, wohlgemerkt.

Gleichwohl sollten sich informierte Investoren vor Augen führen, dass der Durchschnittswert für den schlechtesten neunten Börsenmonat eines jeden Jahres natürlich – trotz der großen Stichprobe – stark von Extremwerten geprägt ist. Ferner waren – ungeachtet bedeutender Ereignisse im September wie 9/11 (2001), Lehman-Pleite (2008) und des China-Crashs (2015) – fast alle Septembermonate seit der Jahrtausendwende positiv. Anders gesagt: aus diesen wenigen exorbitanten Verwerfungen eine hohe empirische Evidenz für „Sell in May and go away, but remember to come back in September“ (wenn die Kurse dann tiefer stehen) abzuleiten, wäre voreilig. Und umso mehr, daraus Handlungen für Ihr Portfolio abzuleiten. Entsprechend haben wir die Aktien laufen lassen, freilich jedoch nicht, ohne konsequent unser Aktien-Sicherheitsnetz nachzuziehen. Denn: „Aktien sind zu teuer. Punkt.“

Der Berichtsmonat verlief,  weltweit im Hinblick auf das Segment Aktien positiver als gedacht, insbesondere in Deutschland (+5,65%), aber auch in den USA (+1,73%) und Japan (+3,38%).  Diese Entwicklung haben wir gleichzeitig genutzt, um Gewinne mit unseren Seitwärtsstrategien mitzunehmen. Einmal mehr hat sich unsere Expertise auf dem Feld der Optionen damit ausgezahlt – was sich auch in den herausragenden Ergebnissen unseres reinrassigen Optionen-Portfolios niederschlägt.

In diesem Zusammenhang haben wir im September mit einer Seitwärtsrendite von aktuell 1% pro Monat (!) wieder begonnen, unsere Gold-Position rollierend zu veroptioneren. Über die künftige Wertentwicklung von Gold wird seit vielen Jahren von verschiedensten Stellen sehr hoffnungsvoll geschrieben. Wir haben uns diesem Tenor noch nie angeschlossen. Es ist nicht so, dass wir Gold kein Potenzial zubilligen würden. Doch so lange wir keine deutlich inflationären Tendenzen haben, sehen wir – auf Basis der Analyse historischer Kursverläufe in verschiedensten Marktregimen – keinen Grund, die Basisposition zu erhöhen. Stattdessen erwirtschaften wir seit Jahren sehr konsequent Prämien und damit positive Ergebnisse mit unserer Gold-Position. Wir lassen uns nicht davon blenden, dass der Goldpreis vor wenigen Jahren noch knapp unter 2.000 USD stand. Unseres Erachtens wäre dies ein Denkfehler, nämlich dem „Ankereffekt“ zu erliegen.

Ende der 1970er Jahre – der Goldpreis hatte sich in wenigen Jahren mehr als verachtfacht, nur um dann mehr als zwei Jahrzehnte wieder langsam zu fallen – sorgte das Buch „eine Theorie der Gerechtigkeit“ des Harvard-Professors John Rawls für weltweites Aufsehen wie kaum ein Buch zuvor. Darin formuliert Rawls ein beeindruckendes Gedankenexperiment, den „Schleier des Nichtwissens“: um eine Gesellschaft möglichst gerecht zu gestalten, sollten alle Menschen ähnlich Justitia einen Schleier des Nichtwissens umgebunden haben. Das heißt: sie wissen nicht, wer sie sind (z.B. ob arm oder reich), wo sie herkommen, welches Geschlecht sie besitzen, in welchem Land sie leben etc.. Aus dieser Unwissenheit heraus sollen sie eine gerechte Gesellschaft gestalten. Es ist also unmöglich, die Gerechtigkeitsprinzipien gemäß diesem Gedankenexperiment auf seine eigenen Verhältnisse zuschneiden. Wie würde diese Gesellschaft wohl aussehen? Nach welchen Grundsätzen würde sie aufgebaut?

Unsere Aufgabe als Fondsmanager ist es, das Portfolio des NORD/LB Horizont immer wieder in Analogie zu Rawls Idee zu analysieren, jede Anlageklasse zu hinterfragen, zu bewerten und ein gedächtnisloses Portfolio zu entwickeln. Entsprechend intensiv haben wir nach den verheerenden Hurrikanen in den USA unsere Anlageklasse „versicherungsgebundene Anleihen“ unter die Lupe genommen: denn die deutlichen Verwerfungen am Sekundärmarkt für Katastrophenanleihen haben auch uns – trotz der  sukzessiven Reduktion der Position in den Vormonaten – 0,99% gekostet. Im Anschluss an all unsere Analysen sowie Diskussionen mit den spezialisierten Fondsmanagern dieses Segments kamen wir zur Conclusio, dass die Verwerfungen eine Übertreibung darstellen. Folglich nutzten wir die kurzfristige Schwäche zum deutlichen Aufbau der Position. Inzwischen ist die Beruhigung des Segments schon eingetreten – und der NORD/LB Horizont Fonds konnte den September trotz des erwähnten Rückschlags mit einem Plus von 0,65% abschließen.

Rückschläge sind also nicht immer schlecht. Auch mit Pandora ist eben nicht nur alles Chaos in die Welt eingezogen, sondern auch Errungenschaften wie Kultur und Geschichte. Vor allem aber: die Hoffnung (auch wenn diese für einige Denker wie den eingangs zitierten Nietzsche doch die schlimmste aller Plagen war, „das übelste aller Übel“).

Die Hoffnung kam allerdings erst viel später unter die Menschen – als Pandora die Büchse erneut öffnete. Sie hatte erneut die Wahl. Wir haben sie auch wieder.

Luxemburg, den 04.10.2017

Michael Feiten, Florian Konz & Ludwig Schnieders

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